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Diebstahl als Nervenkitzel

Klauen für den Kick: Was ist Kleptomanie und wie wird sie behandelt?

  • Aktualisiert: 05.03.2024
  • 11:00 Uhr
  • Franziska Schosser
Kleptomanie wird als Impulskontrollstörung eingeordnet und kann auch als pathologisches Stehlen oder umgangssprachlich als Klausucht bezeichnet werden.
Kleptomanie wird als Impulskontrollstörung eingeordnet und kann auch als pathologisches Stehlen oder umgangssprachlich als Klausucht bezeichnet werden.© Mihail - stock.adobe.com

Der Nervenkitzel während eines Diebstahls wird für Menschen mit Kleptomanie zur Sucht. Wir haben mit einer Betroffenen und einem Experten über die Krankheit gesprochen, was sie auslöst, wie man sie behandelt und woran du erkennen kannst, ob du betroffen bist.

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Das Wichtigste zum Thema Kleptomanie

  • Der Zwang zu Klauen kann als eigene Krankheit oder als Symptom anderer psychischer Probleme entstehen.

  • Kleptoman:innen stehlen nicht, aus Wut oder Rache. Auch mit Wahn-Phänomenen oder Halluzinationen hat pathologisches Stehlen nichts zu tun.

  • Behandelt werden kann Kleptomanie am besten durch Verhaltens-Therapie. Dabei lernen Kleptoman:innen in den Trigger-Situationen neue Bewältigungs-Strategien zu entwickeln.

Im Video: Was ist Kleptomanie? Ein Psychologe beantwortet die meistgestellten Fragen

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Was ist Kleptomanie eigentlich?

Der Begriff Kleptomanie kommt aus dem Griechischen. Übersetzt bedeutet er etwa soviel wie "Stehl-Wahnsinn". Seit dem 19. Jahrhundert sind Forschende davon fasziniert. Je nach Epoche stufte man Kleptomanie als Gehirnkrankheit, masochistische Störung oder als Frauenleiden ein.

Heute spricht man von einer Impulskontroll-Störung. So kategorisiert sie auch die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung (APA), die regelmäßig ein wichtiges Nachschlagewerk zu psychischen Störungen veröffentlichen. Andere Impulskontroll-Störungen sind zum Beispiel Pyromanie (der Drang zu Zündeln) oder Spielsucht (Pathologisches Glücksspielen).

Wichtig: Von Kleptomanie betroffene Menschen verspüren einen Drang zu stehlen, ohne sich selbst bereichern zu wollen. Bei dem Diebesgut handelt es sich in der Regel nicht um teure Smartphones oder Kleidungsstücke, sondern scheinbar unnütze, günstige Kleinigkeiten wie Kaugummis.

Im Podcast: Galileo-Reporterin Barbara Cerveny spricht mit einer Kleptomanin

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Kleptomanie: Das sind mögliche Ursachen und Symptome

Die Ursachen von Kleptomanie sind bis jetzt nicht eindeutig belegt und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Häufig wiederkehrende Ursachen sind zum Beispiel Vorbelastungen wie traumatische Erlebnisse oder psychosozialer Stress. Häufig ist Kleptomanie eine zusätzliche Symptomatik zu anderen psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Schizophrenie oder einer Borderline-Störung.

Wie äußert sich Kleptomanie? Wie Betroffene beschreiben, erleben sie vor dem Diebstahl ein extremes Druckgefühl das sich durch innere Unruhe, starkes Schwitzen, Hitzewallungen, Magenbeschwerden oder Schwindel äußern kann. Nach der Tat stellt sich ein kurzes Befriedigungsgefühl was dann schnell durch Scham und schlechtes Gewissen abgelöst wird. 

Diagnose und Behandlung bei Kleptomanie

Beim Verdacht auf Kleptomanie solltest du als erstes deinen Hausarzt oder -ärztin aufsuchen. Diese:r verweist dich bei Bedarf dann an eine:n Psychiater:in oder ein:e klinische:n Psycholog:in. Erst nach ausführlichen Gesprächen oder psychologischen Tests folgt die eigentliche Diagnose.

Behandelt wird Kleptomanie in den meisten Fällen mit einer Verhaltens-Therapie. Dabei konzentrieren sich die Ärzt:innen vor allem auf die Suche nach Ursachen und Auslösern. Außerdem lernen Betroffene während der Behandlung Techniken, die ihnen in den Situationen helfen sollen. Dazu gehören zum Beispiel Entspannungs-Übungen und andere achtsamkeitsbasierte Methoden.

Unter Umständen können auch Medikamente hinzugezogen werden. Studien über den Erfolg der Behandlung von Kleptomanie gibt es bisher kaum. Wie erfolgreich sie also behandelt werden kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar.

Ein Psycho-Therapie kann Menschen helfen, die an Kleptomanie leidern.
Ein Psycho-Therapie kann Menschen helfen, die an Kleptomanie leidern.© IMAGO / imagebroker
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Interessante Fakten zu Kleptomanie

👥 Kleptomanie ist selten. In Stichproben neigen von 1.000 Menschen circa sechs zum pathologischen Stehlen oder sind aktuell davon betroffen.

☝ Betroffene stehlen meist, wenn sie alleine unterwegs sind.

💥 Die Taten gehen in der Regel aus spontanen Impulsen hervor und werden nicht im Voraus geplant.

👩 60 Prozent der Betroffenen sind laut Schätzungen Frauen.

💰 Von Kleptomanie können Menschen aus allen sozialen Schichtenbetroffen sein.

👩‍⚖️ Bei einem Diebstahl kann es schnell zum Strafverfahren kommen. Auch ein Attest für Kleptomanie garantiert keine Schuldunfähigkeit.

💸 Gerichte geben bei Menschen mit Kleptomanie oft ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag. Dieses kann mehrere Tausend Euro kosten. Wenn es nicht zum vollständigen Freispruch kommt, muss der oder die Angeklagte die Verfahrenskosten zahlen.

👭 Tricks, wie die Hand des Partners oder der Partnerin zu halten, die Luft anzuhalten, den Laden zu verlassen oder an etwas Unangenehmes zu denken, können helfen.

Tipps gegen Kleptomanie

  • Ungelöste Konflikte identifizieren und ausarbeiten
  • versuchen für Entspannung sorgen
  • professionelle Hilfe suchen
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Anlaufstellen und Selbsthilfe-Gruppen für Betroffene und Angehörige:

Häufigste Fragen zu Kleptomanie

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