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Der Grünen-Politiker im Porträt

Cem Özdemir: Das ist der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

  • Veröffentlicht: 12.02.2024
  • 10:37 Uhr
  • Rebecca Rudolph
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.© Monika Skolimowska/dpa

Cem Özdemir kann auf eine lange Karriere in der Politik blicken – angefangen hat er aber als Erzieher. Der heutige Minister für Ernährung und Landwirtschaft trat bereits mit 18 Jahren der Partei "Die Grünen" (heute: Bündnis 90/Die Grünen) bei. Hier erfahren Sie alles über den Grünen-Politiker.

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Steckbrief

  • Name: Cem Özdemir
  • Beruf: Politiker, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft
  • Geburtstag: 21. Dezember 1965
  • Geburtsort: Bad Urach, Baden-Württemberg
  • Wohnort: Berlin
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Cem Özdemir ist gelernter Erzieher

Cem Özdemir wurde am 21. Dezember 1965 im schwäbischen Bad Urach (Kreis Reutlingen) geboren und wuchs als Einzelkind auf. Seine Eltern kamen Anfang der 1960er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland und haben sich in Deutschland kennen und lieben gelernt. Nach seinem Realschulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Erzieher, die er 1987 in Reutlingen abschloss. Entgegen seiner ursprünglichen Entscheidung, direkt ins Berufsleben einzusteigen, beschloss er, die Fachhochschulreife an der Fachoberschule in Nürtingen nachzuholen.

Anschließend entschied sich Cem Özdemir für einen weiteren akademischen Weg und schrieb sich an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen in Reutlingen ein, die heute als Evangelische Hochschule Ludwigsburg bekannt ist. Dort verfolgte er sein Interesse an Sozialarbeit und entschied sich für ein Studium der Sozialpädagogik, das er im Jahr 1994 erfolgreich abschloss. Während seiner Studienjahre arbeitete er als Erzieher in einem Jugendzentrum in Reutlingen. Parallel dazu sammelte er auch Erfahrungen als freier Journalist beim Reutlinger General-Anzeiger sowie beim Lokalradio.

Schon 1981 trat Özdemir der Partei "Die Grünen" bei

Bereits in seiner Jugend interessierte sich der heutige Politiker für Ökologie und Nachhaltigkeit, er engagierte sich bei der Schülerzeitung an seiner Realschule, beim Verkauf von Dritte-Welt-Waren und beim Einsatz für ein Recyclingkonzept in seiner Geburtsstadt. 1981 trat Cem Özdemir der Partei "Die Grünen" (heute; Bündnis 90/Die Grünen) bei. Zwischen 1989 und 1994 war Cem Özdemir Mitglied im Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg, wo er heute im Kreisverband Stuttgart beheimatet ist. Anschließend wurde er als erster Abgeordneter türkischer Herkunft in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er zwei Legislaturperioden lang bis 2002 angehörte.

Der Grünen-Politiker war von 2004 bis 2009 Abgeordneter des Europäischen Parlaments (Die Grünen / Freie Europäische Allianz). Er fungierte als außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion und Vizepräsident des CIA-Sonderausschusses (Nichtständiger Ausschuss zur behaupteten Nutzung europäischer Staaten durch die CIA für die Beförderung und das rechtswidrige Festhalten von Gefangenen). Als Europaabgeordneter übernahm Özdemir 2007 die Schirmherrschaft über den Christopher Street Day Stuttgart und setzte sich unter anderem für den Beitritt der Türkei in die EU ein. Von 2008 bis Januar 2018 war Özdemir Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Mit seinem schwäbischen Akzent und seiner lockeren sowie humorvollen Art war der Politiker ein gern gesehener Polit-Talkshow-Gast.

2017 war er gemeinsam mit Katrin Göring-Eckardt Spitzenkandidat seiner Partei zur Bundestagswahl 2017. Dabei trat er im Wahlkreis Stuttgart I an und landete auf dem 2. Platz der Landesliste der Grünen Baden-Württemberg. Dadurch zog er in den 19. Deutschen Bundestag ein. Nachdem die Verhandlungen zur Bildung einer Jamaika-Koalition gescheitert waren, bei denen Cem Özdemir als potenzieller Außenminister gehandelt wurde, entschied er sich Ende 2017 vorerst aus der vordersten Reihe der Spitzenpolitik zurückzutreten.

Im Herbst 2019 kündigte Özdemir an, gemeinsam mit der Bremer Bundestagsabgeordneten Kirsten Kappert-Gonther für das Amt des Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion zu kandidieren und somit die bisherigen Vorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter ablösen zu wollen. Bei der Wahl am 24. September 2019 unterlag Özdemir dem bisherigen Fraktionsvorsitzenden Hofreiter, der mit 58,21 Prozent der Stimmen von den Grünen-Abgeordneten in seinem Amt bestätigt wurde. Auch Kappert-Gonther konnte sich nicht gegen die Amtsinhaberin Göring-Eckardt durchsetzen, die sich mit 61,2 Prozent der Stimmen durchsetzen konnte.

Von 2018 bis 2021 fungierte er als Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur des Deutschen Bundestages. Bei der Bundestagswahl 2021 gewann Özdemir erstmals ein Direktmandat in seinem Stuttgarter Wahlkreis. Innerhalb der Ampel-Koalition unter Bundeskanzler Olaf Scholz übernahm er im Dezember 2021 das Amt des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft.

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Özdemir hat schon drei Bücher veröffentlicht

Schon früh entdeckte Özdemir seine Leidenschaft für das Schreiben und den Journalismus. So wundert es nicht, dass er bereits drei Bücher veröffentlicht hat. 1997 erschien seine frühe Autobiografie "Ich bin ein Inländer", zwei Jahre später veröffentlichte er das Buch "Currywurst und Döner - Integration in Deutschland". 2008 kam sein erstes Jugendbuch unter dem Titel "Die Türkei: Politik, Religion, Kultur" heraus.

Seit 2003 ist der Landwirtschaftsminister mit der argentinischen Journalistin Pia Maria Castro verheiratet. Die Argentinierin kam 2001 als Austauschschülerin nach Deutschland. Beide lernten sich dort auf einer Party kennen, zwei Jahre später heirateten sie. Im Jahr 2006 wurde ihre gemeinsame Tochter Mia geboren, gefolgt von Sohn Vito im Jahr 2010. Cem Özdemir und seine Frau lebten gemeinsam in Berlin. Im November 2023 verkündete das Paar, dass es bereits seit einiger Zeit getrennt lebt.

Der Grünen-Politiker ist schon seit seiner Jugend bekennender Vegetarier. Außerdem ist er ein leidenschaftlicher Fan des VfB Stuttgart und Mitglied des 2015 gegründeten VfB-Fanclubs für Mitglieder des Bundestags.

Cem Özdemir will mehr Bio, bessere Tierhaltung und die Legalisierung von Cannabis

Als Minister für Landwirtschaft verfolgt Cem Özdemir die Ziele, den Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln unabhängig von Herkunft und Geldbeutel zu ermöglichen, die Existenz der "systemrelevanten Arbeit" der Landwirtschaft zu sichern und die Lebensgrundlagen zu schützen, um sie "auch übermorgen" noch nutzen zu können. Das hob der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Juni 2023 in der Regierungsbefragung im Bundestag hervor. Özdemir betonte im Interview mit dem ARD-Politikmagazin Panorama, dass er sich als Landwirtschaftsminister für alle sieht, unabhängig von der Größe der Höfe oder der Unterscheidung zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft.

Inmitten der Proteste der Bauern und Bäuerinnen 2024 gegen die Kürzung klimaschädlicher Vergünstigungen bei Agrardiesel und Kfz-Steuer stellte sich Özdemir an ihre Seite. Bei einer Großdemo in Berlin äußerte er sich kritisch zu den geplanten Streichungen. "Ich halte nichts von den Streichungen in diesem Umfang", erklärte er. Kurz darauf nahm die Bundesregierung einen Teil der Kürzungen zurück. Vor etwa zwei Jahren übernahm Özdemir das Amt mit dem Ziel, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Dabei legte er Wert darauf, die Anzahl der Nutztiere in Deutschland zu reduzieren und deren Haltung zu verbessern.

Der Grünen-Politiker möchte seine Politik an den bereits vorliegenden Konzepten zur Weiterentwicklung des Agrar- und Ernährungssektors ausrichten, insbesondere an den Ideen der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) und der Borchert-Kommission. Er wolle vor allem eines ändern: Erkenntnisse in die Tat umsetzen, denn man habe kein Erkenntnisproblem in der Agrarpolitik, sondern ein Umsetzungsproblem.

Özdemir nannte drei Kernziele für seine Agrarpolitik:

  1. Ernährungssicherung: Es gehe darum, dass "alle hochwertige und bezahlbare Lebensmittel bekommen".
  2. Wertschätzung: Der Politiker will erreichen, dass Landwirt:innen von ihrer Arbeit leben können. Asymmetrien zulasten der Erzeuger in der Wertschöpfungskette müssten beendet werden. Özdemir wies darauf hin, dass derzeit von jedem Euro, den Verbraucher:innen für Schweinefleisch bezahlen, lediglich 22 Cent bei den Landwirt:innen ankommen. Das sei "eine Sauerei", und das werde man ändern.
  3. Klima und Umwelt: Der Minister will den Tierschutz in der Landwirtschaft voranbringen, Umwelt und Artenvielfalt schonen. Als sein Leitbild bezeichnete er den ökologischen Landbau, dessen Merkmale weniger Pestizide, weniger Dünger und mehr Natur seien.

Ein weiteres Thema, das Özdemir schon lange begleitet, ist die Legalisierung von Cannabis:

Im Sommer 2014, als die ALS Ice Bucket Challenge einen Online-Trend auslöste, nahm auch der Grünen-Politiker an der Aktion teil. Vor laufender Kamera goss er sich Eiswasser über den Kopf, um auf die Nervenkrankheit aufmerksam zu machen. Im Hintergrund seines Videos war eine Hanfpflanze zu sehen. Die Aktion sei als "sanftes politisches Statement zu verstehen", erklärte Özdemir vor rund zehn Jahren.

Der Politiker forderte, dass jede:r Bürger:in über 18 Jahren selbst entscheiden solle, ob er oder sie Cannabis konsumieren wolle. Im Januar 2015 nahm die Staatsanwaltschaft Berlin Ermittlungen gegen Özdemir wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz auf. Allerdings wurde diese wegen Geringfügigkeit eingestellt. Auch heute setzt er sich noch für die Legalisierung von Cannabis ein.

Im Video: SPD-Innenexperten kritisieren geplantes Cannabis-Gesetz

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Dafür wurde Cem Özdemir bereits kritisiert

Cem Özdemir musste sich auch schon vielen Kritiker:innen stellen: 2023 legten Karl Lauterbach und Cem Özdemir gemeinsam neue Reformpläne zur Cannabis-Legalisierung vor. Der Besitz von 25 Gramm Cannabis zum Eigenbedarf und der Eigenanbau von höchstens drei Pflanzen sollen demnach straffrei bleiben. Außerdem sehen die Pläne eine staatlich kontrollierte Abgabe über Vereine vor. In einem zweiten Schritt soll in Modellregionen der Verkauf über lizenzierte Fachgeschäfte getestet werden.

Die angekündigte Legalisierung rief scharfe Kritik hervor: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Cannabis-Pläne als "Irrweg". Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), kommentierte das Vorhaben in der "Rheinischen Post" als "gefährlich und naiv". "Einen solchen Unfug werden wir im Bundestag klar ablehnen." Die Unionsfraktion fordert, die geplante Cannabis-Legalisierung zu stoppen und die Bevölkerung über die Risiken der Droge aufzuklären. Der Entwurf des Cannabisgesetzes, der im August 2023 vom Kabinett beschlossen wurde, sei unverantwortlich und führe in die falsche Richtung, hieß es in einem Antrag der Fraktion.

Die Bauernproteste 2024 stellten Özdemir vor eine große Herausforderung

Auch im Zuge der Bauernproteste im Januar 2024 hagelte es Kritik für Özdemir. Aufgrund der angespannten Haushaltslage wollte die Ampelkoalition die Steuerbegünstigung beim Agrardiesel abbauen. Nach Kritik der Landwirtschaftslobby schwächte sie die baldige Streichung ab und plante nur einen Abbau in mehreren Schritten.

Bundesagrarminister Özdemir kritisierte die vorherige Regierung und stellte sich auf die Seite der Bauern und Bäuerinnen: "Der Karren ist so tief im Dreck, um mal bildlich zu sprechen, dass wir alle miteinander arbeiten sollten und jetzt nicht so sehr Parteipolitik machen sollten, wie es meine Vorgängerin vorher gemacht hat", sagte der Grünen-Politiker im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Özdemir betonte, dass er nicht mit den geplanten Subventionskürzungen für die Landwirte einverstanden sei. Er sei als Fachminister aber nicht mit einbezogen worden. "Wäre dies der Fall gewesen, wären die Beschlüsse so nicht gekommen", sagte Özdemir.

Im Video: Bauernproteste - Özdemir schlägt "Bauern-Soli" vor

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Fragen und Antworten zu Cem Özdemir:

  • Verwendete Quellen:
  • Deutscher Bundestag: "Özdemir: Landwirte brauchen eine verlässliche Perspektive"
  • Die Bundesregierung: "Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft"
  • Tagesschau: "Politisch herzlich wenig passiert"
  • Der Westen: "Karl Lauterbach: Scharfe Kritik an Cannabis-Legalisierung – „Gefährlich und naiv"
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